Sonntag, 5. August 2012

Lang, lang ist's her...

... dass ich mal was geschrieben habe...

Warum ich ausgerechnet jetzt etwas schreibe? Wo ich doch auch so kaum schreibe? 
Es ist mitten in der Nacht und ich habe eine seltsame Stimmung. Ich freue mich nicht. Aber wirklich unglücklich bin ich auch nicht. 
Ich weiß nicht was es ist, aber ich würde es jetzt wohl spontan als Angst bezeichnen. 
Im Moment bin ich zu Hause, in Berlin. Da, wo ich bisher die ganze Zeit meines Lebens gelebt habe - abgesehen von den letzten 6 Monaten. Und ich muss sagen, es ist ziemlich seltsam... Also, komisch irgendwie. Es ist schön, wieder hier zu sein. Es ist eigentlich, als ob ich nie weg gewesen bin. Aber bei dem Gedanken, dass ich in einigen Tagen wieder nach Hannover fahre, werde ich leicht sentimental. Ich freue mich auf meinen Schatz ♥ Unheimlich. Aber das heißt auch, dass ich meine Lieben hier wieder eine Zeit lang nicht sehen werde. Und wahrscheinlich vor Weihnachten nur einmal herkommen kann. 
Ich weiß, ich habe mich dazu entschieden, nach Hannover zu gehen. Diese Entscheidung bereue ich auch keineswegs. Im Gegenteil. Ich genieße es, meinen Liebsten jeden Tag bei mir zu haben. Das ist toll ♥ Aber noch schöner wäre es, wenn ich auch meine Familie bei mir hätte. Dann würde ich das alles vielleicht auch leichter schaffen können. 
Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell das erste halbe Jahr meines Referendariats vorbei war. Und ich denke, dass das nächste genauso schnell vergehen wird. Und schwupps, kaum versehe ich mich, werde ich schon vor der Prüfung stehen. Aber bis es soweit ist, werde ich denke ich noch viele schwere Tage erleben. Und vor denen habe ich Angst :( Ich wünschte, ich würde das alles viel leichter packen können. Aber ich denke, das ist das Leben. Es läuft nicht immer alles leicht. Und ich muss sagen, ich glaube, das ist bisher die schwerste Zeit meines Lebens. Klar, das Abi war auch schwer - irgendwie - aber das war irgendwie noch, ja keine Ahnung was. Ich weiß nicht wie ich es ausdrücken soll. Ich denke mal, das hier beschreibt's ganz gut: Ich bin das erste mal froh, wenn ich diese Zeit geschafft habe. Und alleine der Gedanke daran ist voll krass: Ich habe 4 Jahre studiert, ich bin auf der Zielgeraden, und wenn ich die geschafft habe, dann bin ich ENDLICH Lehrerin! Dann bin ich fertig mit meiner Ausbildung! Wenn man's so sieht, arbeite ich schon seit 17 Jahren auf diesen Beruf hin - und nächstes Jahr, zu dieser Zeit, wird es geschafft sein. Der Gedanke ist irgendwie voll umwerfend. 
Aber wenn ich dran denke, wie froh und zufrieden ich jetzt zu Beginn der Ferien war, als ich endlich mal wieder ohne Zeitdruck oder irgendeinen anderen Druck einfach so vor mich hinmalen und -zeichnen konnte, und mir diese sorglose Zeit nach dem Ende der Ferien nicht mehr gegeben ist, werde ich traurig. Die Schule schlaucht ganz schön und nimmt mächtig Zeit in Anspruch. Da hab ich kaum einen Kopf dafür. Und das macht mich irgendwie traurig, Immer konnte ich irgendwie malen und zeichnen. Ich habe ganze Nachmittage damit verbracht. Und nun, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich keine Zeit mehr dafür haben werde. Ich denke echt, ob ich nach dem Referendariat nicht eine Ausbildung oder etwas anderes in die Richtung Zeichnen, Grafik, Gestaltung etc machen könnte. Ich möchte Zeichnen, meine Materialien benutzen etc. Hach, ich weiß nicht :( 

Ich bin traurig. Jeder merkt das auch irgendwie, dass ich nicht 100% glücklich bin und mich irgendwas belastet, beschäftigt, what ever. Das dumme ist nur, ich glaube, ich weiß selbst nicht wirklich, was es ist. Ich fühl mich irgendwie - unwohl? Ich weiß es nicht. Es ist alles so ungewohnt. Nicht mehr zu Hause zu sein, in meinem Zimmer, und von dort aus jeden Tag in die große weite Welt zu starten. 
Ich bin aus dem Nest gefallen. Oder gesprungen? Und das von heute auf morgen. Die Entscheidung habe ich gut durchdacht - aber die Durchführung der Entscheidung, die kam Schlag auf Schlag. Und mir wird glaube ich jetzt erst, wo ich die Ruhe habe, erst wirklich bewusst, welche Auswirkungen das hatte. Ich habe mein Leben in die Hand genommen. Habe den Rockzipfel losgelassen. Gehe plötzlich meinen eigenen Weg. Ich glaube, mein Leben hat jetzt wirklich angefangen. 
Ich bin erwachsen geworden.
Bin ich erwachsen geworden?
Oder bin ich doch noch Kind?
Bin ich noch Kind, und habe aber die Entscheidung getroffen, erwachsen zu sein?

Es ist alles so seltsam, komisch, neu, aufregend, unbekannt, schwer, bedrückend, schön, ...

Ach, ich weiß nicht. Ich wollte diesen Eintrag schreiben, damit's mir besser geht. Aber ich glaube, ich habe immer noch nicht das, was mir auf der Seele brennt, was mich so bedrückt macht, niedergeschrieben, damit's mir besser geht.
Ich dacht', ich könnt' das damit herausfinden.
Naja. Heute wohl nicht.

Ich backe, nachdem ich aufgewacht bin, dann erstmal Kuchen. Da freu ich mich drauf. Endlich wieder Kuchen backen.

Endlich. 

Wieder ein Stück Gewohnheit.

Alte Gewohnheit.

Zumindest ein kleines Stück davon.

...